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Der Deutsche
Wasserball-Pokal
Seine
Einführung verdankt er den Olympischen Spielen in München
von Dr. Günter Schwill
Olympische Spiele im eigenen Land, München 1972. Deutschland wollte
mit seinem Wasserballsport unbedingt wieder in die internationale
Leistungsspitze aufrücken. Deshalb liefen die Vorbereitungen unter
Bundestrainer Hans Schepers so intensiv, dass dafür sogar die Deutsche
Meisterschaft dieses Jahres geopfert wurde. Da aber murrten die Vereine. Sie
suchten nach einer Ersatzveranstaltung. Das war die Geburtsstunde des
Deutschen Pokals.
Ohne die für die Nationalmannschaft abgestellten Nationalspieler trafen sich
die sechs besten deutschen Vereine zum 1. DSV-Pokal vom 14.-16.Juli
1972 im neuen Duisburger Schwimmstadion. Teilnahmeberechtigt waren jeweils
die drei Spitzenvereine aus der Bundesligagruppe Süd (1.Offenbacher SC, SC
Spandau 04 und SV Würzburg 05) und aus der Gruppe Nord (Poseidon Hamburg,
ASC Duisburg und Duisburg 98).
Nach 15 Turnierspielen standen der ASC Duisburg und Würzburg 05 mit je 8:2
Punkten an der Tabellenspitze gleichauf; nach den damaligen Regeln wurde ein
Entscheidungsspiel erforderlich. Der ASC Duisburg gewann mit 5:3
(1:1,1:0,1:1,2:1). Die Tore schossen Peter Heise, Norbert Schüppler (3) und
Siegmar Kröning. Trainer beim Sieger war Friedel Osselmann, früherer
Nationalspieler und Vater von Karl und Rainer Osselmann. Die bekanntesten
Namen aus dem Team: Hans-Hermann Gudd (später erfolgreicher
ASCD-Jugendtrainer) und Karl-Heinz Scholten (später Bundestrainer, u.a.
Olympia Barcelona).
Würzburg hatte trotz des Aderlasses von drei Nationalspielern (Günter Wolf,
Kurt Schuhmann und Torwart Gerd Olbert) tapfer gekämpft und durch Habermann
(1:1), Schmid (2:2) und Kraus (3:4) die Niederlage abzuwenden versucht, doch
vergeblich. Zum Team der Mainfranken gehörten u.a. die bekannten Brüder
Horst und Günter Kilian und Wolfgang Mechler. Ihr Trainer hieß Manfred
Schuhmann.
Für den Sieg erhielt der ASC Duisburg die Berechtigung, Deutschland im
Europacup der Landesmeister zu vertreten. Den internationalen
Cupsieger-Wettbewerb gab es damals 1972 noch nicht.
In den Folgejahren wurde der DSV-Pokal als Winter-Meisterschaft gespielt, um
damit den Vereinen über das ganze Jahr hinaus Spielpraxis zu ermöglichen.
Eine Überraschung gab es 1973, als der SV Cannstatt um seinen Spielertrainer
Peter Teicher die neue Trophäe eroberte. Ausgerechnet beim Favoriten in
Würzburg wurde der SV 05 mit 5:4 geschlagen. Damit ging der Titel ins
Schwabenland. Ab 1974 begann die Pokal-Domäne von Rote Erde Hamm, die vier
Jahre dauerte. Unter Trainer Hans Hoffmeister holten die Westfalen 1974 in
Hamburg ihren ersten Titel. In diesem Jahr startete die LEN ihren
Pokalsieger-Cup, an dem sich Hamm sogleich beteiligte. Im Jahr darauf,
1975, fiel das Double, Pokal und Meisterschaft, an Rote Erde Hamm. Nun
konnte der Pokalzweite Aegir Uerdingen im internationalen Wettbewerb
starten.
Hamm dominierte auch 1976 beim dritten Pokalgewinn, die Meisterschaft jedoch
ging an Würzburg. In diesem Jahr war in Spandau die Fusion der beiden
Vereine „04“ und „Wasserfreunde“ erfolgt, die sich leistungsfördernd
auswirkte. Schon im Dezember 1976 bahnte sich ein Wechsel an der Spitze im
DSV durch die Berliner an, die jetzt Wasserfreunde Spandau 04 hießen. Im
vorgezogenen „77iger Turnier“ besiegten sie im Dezember 1976 in Hamm
nacheinander Würzburg und Rote Erde und wurden im Rundfunk schon als neuer
Pokalsieger vorgestellt. Doch die Nerven versagten im Schlussspiel gegen
Waspo Hannover. Hamm wurde durch die Berliner Niederlage punktgleich, hatte
die bessere Tordifferenz und zog an Spandau vorbei. In Verhandlungen
zwischen Berlin und Hamm, praktisch im „fünften Viertel“, erkämpften sich
die Spandauer durch ihren damaligen Wasserballwart Dr. Günter Schwill mit
Hamms 1. Vorsitzenden Herbert Franke doch noch den angestrebten Erfolg. Sie
sicherten sich das Recht, Deutschland anstelle von Rote Erde Hamm bei den
Europapokalkämpfen zu vertreten. Es war der Aufstieg der Spandauer ins
internationale Rampenlicht. Auf Anhieb gelang dabei sogar der Einzug ins
Europa-Pokalsiegerfinale von Mailand.
Spandau setzte neue Dimensionen
Noch einmal konnte der SV Würzburg die Himmelsstürmer aus Berlin abfangen.
Die Franken sicherten sich 1978 mit Pokal und Meisterschaft das Double, aber
ab 1979 dominierte nur noch WF Spandau 04. Der Siegeszug der Spandauer
begann dabei symbolträchtig in Würzburg, mit dem Siegtreffer von Roland
Freund wenige Sekunden vor Spielende zum 11:10-Erfolg gegen den alten
Rivalen Würzburg. Dieser Titelgewinn sollte der erste von acht Pokalsiegen
in Folge werden, bei denen der Spielmodus ein Sechser-Endturnier war. Es
waren Jahre, in denen die Dominanz der Berliner so mächtig war, dass die
sachverständigen Zuschauer dem Sieger immer wieder „standing ovations“
spendeten. Nun wurde das System geändert, es gab Einzelspiele, um
wenigstens echte Finals zu bekommen. Aber auch damit ging die Siegesserie
der Berliner weiter, auch als durch den unerwarteten Tod von Alfred Balen
der junge Uwe Gassmann das Kommando in Spandau übernahm.
Seinen ersten Titel als Trainer holte er 1987. In zwei Endspielen in Berlin
und Duisburg setzte er sich gegen Duisburg 98 zum 9. Spandauer Pokalsieg
durch. Doch im nächsten Jahr riß die Serie. Der ASC Duisburg schaltete
Spandau im Oktober 1988 schon in der ersten Runde des K.o.-Systems aus. Am
Beckenrand stand auf Duisburger Seite Jürgen Kluge, früher einer der besten
(ost-)deutschen Wasserballspieler bei der SG Magdeburg. Duisburg kam dann
auch ohne Probleme durch die nächsten Runden und besiegte im Finale den
Hohenlimburger SV in zwei Spielen.
Von 1990 bis 1992 fielen die nächsten drei Titel wieder an Spandau, das
inzwischen nach Alfred Balen (1986) auch Uwe Gaßmann (1991) durch Tod
verloren hatte. Nun führte bei Spandau Peter Rusoran, der ungarische
Olympiasieger von 1956, Regie. Für ihn waren die Machtkämpfe fremd, die sich
hinter den Kulissen um die Olympischen Spielen in Barcelona bei Spandau
abspielten. Die Berliner verloren ihr halbes Team durch Abwerbung und in der
Folge 1993 auch Pokal und Meisterschaft. Sieger im Pokal wurde der SSF
Delphin Wuppertal, der für eine Saison eine illustre Truppe zusammengestellt
hatte: Alexander Tchigir im Tor, Pjotr Bukowski, René Reimann, Armando
Fernandez, Raul de la Peña, Rainer Hoppe, Uwe Sterzik, Michael Nett. Als
Trainer wirkte Thilo Khil zusammen mit Armando Fernandez.
Final Four ab 1994
Ab 1994 wurde das System erneut verändert. Vier Mannschaften trafen im
„Final Four“ an einem Wochenende aufeinander. Es lebte wieder ein wenig die
alte Endrundenstimmung auf, da die DSV-Familie zu einem Stelldichein
zusammenrief. Spandau dominierte über vier Jahre gegen wechselnde Gegner:
Hohenlimburg, Bayer Uerdingen, Rote Erde Hamm und SV Würzburg. Im Mai 1997
waren mittlerweile 16 DSV-Pokalsiege von Spandau erobert worden, genau zur
25.Jubiläumsausgabe seit 1972. Sie brachten eine Zäsur für Peter Röhle, der
nach 16 Pokalsiegen sein Torwartamt aufgab und als Trainer der Spandauer
Bundesligamannschaft anfing. Er mußte Lehrgeld bezahlen. 1998 siegte Waspo
Hannover in Neustadt unter dem gewieften Trainer Bernd Seidensticker gegen
Spandau. Doch danach lief es für Spandau gemäß dem Motto „the same procedure
as usual“, weitere vier Jahre lang. 2003 war bundesweit homerisches
Gelächter zu hören, als Spandau, auf Erfolgstour in Europa bis zum Einzug
ins europäische Final Four in Genua, im DSV-Pokal-Viertelfinale an Cannstatt
scheiterte. Trotz regionalen Heimvorteils gewann aber nicht Cannstatt,
sondern wieder Waspo Hannover.
2004 fand der DSV-Pokal zum ersten Mal in den neuen Bundesländern, in
Brandenburg, statt. Der Rekord-Pokalsieger WF Spandau 04 traf dabei im
Halbfinale auf den Titelverteidiger Waspo Hannover, schaltete ihn aus und
besiegte im Finale den ASC Duisburg. Die Brandenburger stellten ein faires
und objektives Publikum.
Zweimal sollte es den Duisburgern
dann in den letzten Jahren (2010 und 2013) gelingen, die Finalteilnahme auch
zum Sieg zu nutzen und damit die erdrückende Vormachtstellung von Spandau
(jetzt 30 Pokalsiege) zu durchbrechen. Mit 4 Titelgewinnen zogen die
Duisburger dadurch mit SC Rote Erde Hamm gleich.
Die DSV-Pokal-Bilanz (bei 43 Pokalausspielungen von 1972 – 2015):
|
1. |
WF Spandau 04 |
30 Siege |
|
2. |
SC Rote Erde Hamm |
4 Siege |
|
3. |
ASC Duisburg |
4 Siege |
|
4. |
Waspo Hannover |
2 Siege |
|
5. |
SV Cannstatt |
1 Sieg |
|
6. |
SV Würzburg 05 |
1 Sieg |
|
7. |
SSF Delphin Wuppertal |
1 Sieg |
DDR mit 13 Jahren Vorsprung
In der DDR wurde schon seit 1959 um
den Pokal gekämpft. Bis 1989 kam es zu 27 Endturnieren. Allerdings mußte der
hohe Leistungsanspruch nach den Reglementierungen durch das Zentral-Komitees
ab 1968 heruntergefahren werden. Den ersten Pokalerfolg sicherte sich
Rotation Leipzig 1959, dann waren bis 1966 Dynamo Magdeburg (3x), Aufbau
Magdeburg (1x) und Dynamo Berlin (2x) erfolgreich.
Insgesamt fielen 11 Erfolge an
Dynamo Magdeburg, 7 an Empor Halle-Neustadt, 5 an Rotation/ Motor Leipzig, 2
an Dynamo Berlin, 1 an Aufbau Magdeburg und 1 an Chemie Bitterfeld.
Die DSSV-Pokal-Bilanz
(bei
27 Pokalausspielungen von 1959 – 1989):
|
1. |
SG Dynamo Magdeburg |
11 Siege |
|
2. |
Empor Halle Neustadt
|
7 Siege |
|
3. |
Rotation/ Motor Leipzig |
5 Siege |
|
4. |
Dynamo Berlin |
2 Siege |
|
5. |
Aufbau Magdeburg |
1 Sieg |
|
6. |
Chemie Bitterfeld |
1 Sieg |
|